Ihre wissenschaftliche Arbeit zu den spezifischen Wirkungen der Craniosacralen Therapie bei chronischen Nackenschmerzen stellte Heidemarie Haller von der Universität Duisburg-Essen vor. Die junge Diplom-Psychologin und Craniosacral-Therapeutin zeigte mit ihrer randomisierten kontrollierten Studie, die international bereits mit Preisen ausgezeichnet wurde, nachvollziehbar, dass sich Craniosacrale Therapie und medizinische Wissenschaft durchaus vereinbaren lassen. Ermutigt durch ihren Erfolg plant die engagierte Wissenschaftlerin nun auch eine Fallstudie. Wie die Teilnahme an diesem Forschungsprojekt im Praxisalltag praktikabel wird stellte sie anschließend in einem anregenden Workshop vor – gemeinsam mit Vorstandsmitglied Ellen Grösser. Heidemarie Hallers Sammlung von mehr als 30 wissenschaftlichen Cranio-Publikationen ist bereits auf der CSVD-Homepage zu finden (<link http: www.cranioverband.org forschung wissenschaftliche-studien.html external-link-new-window external link in new>hier) – Cranio-Forschung leistet demnach auch einen ganz wesentlichen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit des Verbands.
Einen Textvorschlag „Craniosacral-Therapie in 10 Sätzen“ hatten zu Beginn der Tagung bereits Katrin Quintero Artigas und Ron Kuleßa von der Arbeitsgruppe „Selbstverständnis und Außendarstellung“ (Leitung: Vorstandsmitglied Barbara Sieger) zur Diskussion gestellt. Erneut zeigte sich, wie wesentlich eine gemeinsame Formulierung ist, die den Kern der Craniosacralen Therapie – insbesondere Klienten – anschaulich vermittelt und dabei dennoch der Vielfalt der Craniosacralen Richtungen Rechnung trägt. Es geht der Arbeitsgruppe darum, noch klarere Alleinstellungsmerkmale für die Craniosacrale Therapie zu formulieren. Die Abgrenzung zur Osteopathie – trotz der gemeinsamen Wurzeln beider Therapieformen – war dabei ein durchaus kontrovers diskutiertes Thema; auch bereits in der Lehrerkonferenz, die im Vorfeld der Tagung stattfand.
Dass die Vernetzung der Praktizierenden die Zukunft der Craniosacalen Therapie stärken möge, stellte sich als Herzensangelegenheit aller heraus. Dies zeigte sich während Barbara Siegers Workshop zu den „Visionen für die Craniosacrale Therapie“ und drückte sich zudem ganz konkret in der Teilnahme von Kolleginnen aus dem Upledger Verband und aus dem Craniosacral Verband Österreich aus. Mit dem Nachbarverband Cranio Suisse sowie weiteren Europäischen Verbänden in Schweden, Frankreich, Italien, Spanien, Tschechien, den Niederlanden und Großbritannien ist das Vorstand-Team im Kontakt – auch im Hinblick auf eine Reaktivierung des einst 1999 gegründeten Europäischen Dachverbands (ECSA).
Praxisnahe Fach-Workshops kamen auf der Tagung besonders gut an: Ingrid Maier kombinierte in einem Beitrag zur viszeralen Cranio-Arbeit („Pankreas, das verborgene Organ“) ihren – mit ansteckender Begeisterung vorgetragenen – Anatomie-Refresher mit einer bewegenden Anleitung zur Selbstbehandlung. Antje Ricken verband in ihrem Workshop Achtsamkeit mit erfahrbarer Neurowissenschaft. Frühmorgens lud Ramraj Löwe (Beirat für Ausbildung und Leitlinien) mit „Meridian-Stretching“ dazu ein, mit dem eigenen Körper in Kontakt zu kommen.
Einstimmig entlastete am Sonntagvormittag die Mitgliederversammlung des Verbands ihre drei Vorstände – Christiane Ottmann, Barbara Sieger und Ellen Grösser – aufgrund der überzeugenden Präsentationen ihrer Arbeit. „Beeindruckend, was ihr im zurückliegenden Jahr angeschoben und umgesetzt habt“ freute sich eine Teilnehmerin.
Im Plenum am Ende der Tagung dienten die ersten Ergebnisse der Online-Umfrage zum Mitglieder-Service – vorgetragen von Anke Zillessen (Referentin für Öffentlichkeitsarbeit) – als Anregung für einen Austausch über die möglichen nächsten Schritte und Schwerpunkte der Verbandsarbeit. Die Gestaltung eines Flyers über Craniosacrale Therapie bei Kindern wurde angedacht, sowie die Vision eines größeren Cranio-Kongresses in etwa drei Jahren. Der Start der Cranio-Fallstudie in Zusammenarbeit mit Heidemarie Haller ist für Anfang 2015 geplant. Ferner bewegten Gedanken über verstärkte Presse-Arbeit, sowie eine regionale kollegiale Vernetzung und ein Mentoring für Praxisgründer die Gemüter.
Die Rückmeldung der Teilnehmer war überwältigend – sowohl persönlich geäußert als auch über die ausgelegten Feedback-Bögen. Besonders gelobt wurde die gute kollegiale Atmosphäre und die produktive Stimmung. „Wir sind einen großen Schritt weiter gekommen mit dem wer wir sind und was wir als Cranios wollen“, war sich das Vorstandsteam einig. Mit Dank für die vielen Anregungen und mit guten Wünschen für den Heimweg verabschiedete CSVD-Vorsitzende Christiane Ottmann am Nachmittag die insgesamt 45 Tagungsgäste – auf ein Wiedersehen am 20. und 21. November 2015 in Sedlbrunn bei Augsburg.